Kolumbiens Charakter wird stark von den Anden geprägt die das Land von Süden nach Norden durchziehen. Die Anden teilen sich hier in drei Gebirgszüge: die Cordillera Occidental, die Cordillera Central und die Cordillera Oriental. Ganz im Norden, von den Anden unabhängig erhebt sich die schneebedeckte Sierra Nevada de Santa Marta als höchstes Küstengebirge der Welt, fast 6000m hoch. Nun muss man sich die Landschaft folgendermaßen vorstellen: Ganz oben in den Bergen findet sich der Paramo, eine baumlose Landschaft dominiert von verschiedenen Gräsern und Freilejones, imposanten mannshohen Pflanzen. Darunter beginnt der Lebensraum der Muisca bzw. Chibcha Indianer. Hügelig, mit Seen und Lagunen durchsetzte Landschaft, den deutschen Mittelgebirgen nicht unähnlich. Wald, Wiesen, recht kühl. Dort ist die Lagune von Guatavita. Das Zentrum der Legende von El Dorado. Das Gebiet nördlich von Bogotá, damals wie heute eine interessante Gegend, lässt heute noch nachempfinden wie es damals, vor mehr als 500 Jahren war. Gefaltete Hügelketten sind leicht bewaldet, Lagunen und heute auch Stauseen schmücken die Landschaft. Es ist eine sehr ruhige Landschaft im Grundton, kühler Wind streicht durch die Felder, vereinzelte Gehöfte liegen verstreut an den Berghängen. Der Himmel oft grau. Hier war es, hier in der Gegend um Tunja wo die indianischen Ureinwohner einen Tempel, über und über geschmückt mit Gold, errichteten.
El Dorado, der Chibcha – Herrscher der auf einem Floß in die Mitte der Laguna de Guatavita ruderte, warf während den Zeremonien Goldschmuck und Smaragde in die Lagune als Opfergaben für die Götter. In der Region selbst wurde kein nennenswertes Gold gefunden, allerdings Smaragde und Salz (siehe die Salzkathedrale von Zipaquira – Touristenattraktion) die dann gegen Gold in grossen Mengen getauscht wurden.
Die Sierra Nevada de Santa Marta, ein faszinierendes Gebirge und by the way einer der Orte auf der Welt wo auf kleinstem Raum extrem viel Interessantes zu finden ist, bietet von allen Klimata etwas, was sie für eine Besiedlung und Landwirtschaft – nicht alle Indianer waren Jäger und Sammler – prädestiniert. Hier war das Volk der Tayrona zu finden. Zumindest ihr Name lebt heute in Form des Tayrona Nationalparks weiter, und ihre Nachfahren, die Koguis und Arhuacos, haben durch strenge Isolation ihre Eigenschaften bewahren können. Allerdings stellen diese keinen Goldschmuck mehr her. In den Tayrona - Schmuckgegenständen kommt die Nähe zum karibischen Meer zum Ausdruck. Schmecken und Muscheln bzw. die abgewandelte Form der Spirale, aber auch Pfeilgiftfrösche die im tropischen Regenwald leben wurden als Symbole aufgegriffen und in Goldschmuck gebannt. Für die Ewigkeit, sozusagen.
Die Sinu – Kultur, am gleichnamigen Rio Sinu südwestlich von Cartagena de las Indias gelegen, stellten Schmuckgegenstände aus Gold und Tumbaga her. Typische Arbeiten sind breite, halbkreisförmige Brustplatten aus gehämmertem Metall mit Verzierungen, breite Nasenornamente aus flachen Metallstreifen, Anhänger in Form von anthropomorphischen Figuren mit filigranen Verzierungen, Halsketten aus Goldkugeln.
Wir gehen weiter nach Süden und kommen ins Landesinnere. Im mittleren Cauca-Tal, der heutigen Zona Cafetera, lebten die Quimbaya. Ihr Schmuckrepertoire umfasste Kettenanhänger und Masken mit humanoiden Gesichtern, Poporos und Zubehör ( hierbei handelt es sich um Fläschchen in denen Kalk aufbewahrt wurde der mit einem passenden Stab herausgeholt werden konnte. Mit Coca- Blättern gekaut war Kalt ein beliebtes Aufputschmittel, bei den Koguis der Sierra Nevada auch heute noch beliebt und vertreten), Helme, Nasen- und Ohrenornamente und scheibenförmige Brustplatten.
Weiter südlich lebten die Calima. Ihr Schmuck war häufig aus Goldplatten gefertigt, mit gehämmerten Ornamenten oder gegossenen Verzierungen. Nasenornamente, Brustplatten und Begräbnismasken aber auch menschliche und tierische Figuren. Andere Arbeiten wurden aus feinem Golddraht hergestellt.
Die Popayan- Kultur von San Augustin und Tierradentro benutzten Gold- und Kupferscheiben als Schmuckelemente, aber besonders bemerkenswert sind die Adlerfiguren von Popayan. Der Popayanadler ist ein Brustschmuck, aus Tumbaga hergestellt, in der Form eines Adlers mit gespreizten Flügeln und Schwanz. Helikale Ohrornamente, anthropomorfer Kopf und menschliche Beine und Phallus zeichnen den Popayanadler aus.
Von Popayan führt der Weg an die Pazifikküste. An der Grenze zum heutigen Equador befinden sich die Fundstellen der Tumaco- Kultur. Die Tumacos verwendeten Gold und Tumbaga aber auch Platin das aus den umliegenden Flüssen gewonnen wurde. Manche Objekte wurden aus fast purem Platin hergestellt (z.B. Nasenornamente) aber normalerweise wurde Platin mit Goldstaub vermischt und mit Hammerschlägen in Form gebracht. Dieses Material zeigte einen Farbwechsel zu weißlich bis grünlich- gelb und in Kombination mit Gold einen spektakulären Kontrast.
Die Narino- Kultur ganz im Süden von Kolumbien, hoch oben in den Anden, stellte Schmuck aus flachen Metallplatten mit „Repousse“- Dekoration und oftmals Motiven von Affen her.
Um den Kreis zu schließen wieder gen Bogota. Die Tolima- Kultur ist besonders durch flach gehämmerten Brustschmuck in humanoiden Formen mit gewinkelten Gliedmaßen bekannt. Viele dieser Pektorale besaßen symmetrische Schlitze. Andere wichtige Gegenstände waren Anhänger in Form von phantastischen Tieren.